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Ein globaler Krieg ist nicht unwahrscheinlich

Facebook Google+ WhatsApp Precht: "Österreich hat eine ganz eigene Form politischer Kultur, von Sarkasmus und von Melancholie - und eine Neigung zu trauriger Musik." © AMANDA BERENS Europa beziehungsweise die EU arbeiten sich seit drei Jahren am Thema Migration ab. Gleichzeitig gibt es aber einen kompletten Mangel an langfristigen Strategien, wo man eigentlich hin will. Aber in der österreichischen Variante scheint es massenwirksam umgesetzt zu sein: Bundeskanzler Sebastian Kurz wird als neuer „Rockstar“ der Politik durch Europa gereicht. Er ist eine Traumbesetzung für diese Rolle. Ich wüsste nicht, was aus seiner Partei geworden wäre, wenn nicht Kurz aus der Asche gesprungen wäre.

Es kann sein, dass wir durch diese Phase, in der Politik nur aus Inszenierung besteht, durch müssen um zu einer besseren Politik zu kommen. Wie erleben wie zu Zeiten der ersten industriellen Revolution eine Restaurationszeit. Sein Bestseller „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele“ war eines der meistverkauften deutschen Sachbücher des vergangenen Jahrzehnts. Sein heuer erschienener Bestseller „Jäger, Hirten, Kritiker" versteht sich als "eine Utopie für die digitale Gesellschaft“. Wird es irgendwann wie einst unter Metternich im Wiener Kongress und einer Neuordnung Europas enden? Also eine völlige Asymmetrie zwischen dem, was politisch und dem, was ökonomisch passierte.

Das könnten wir auch jetzt für eine relativ lange Zeit haben. Diese Länder haben eine ganz eigene Form von politischer Kultur, von Sarkasmus und von Melancholie. Gleichzeitig haben sie auch immer wieder die Sehnsucht so groß zu sein, wie sie nie mehr werden. Gleichzeitig wächst auch hier das Gefühl, von einer uferlosen Migrationswelle bedroht zu sein. Aber Heimat ist ja nicht primär durch Migranten bedroht, sondern durch Globalisierung. Migranten sind eine Folge dieser Globalisierung. Man kann nicht eine Globalisierung de luxe bekommen, ohne sich die Schattenseiten davon einzuhandeln.

Macht ohne Missbrauch verliert ihren Reiz

Richard David Precht

Ist Entwicklungszusammenarbeit in ihrer jetzigen Form nicht mehr zukunftsfähig? Derzeit wird beispielsweise in Afghanistan oder Somalia ein Brunnen gebaut – und wenn die Hilfsorganisationen abgezogen sind, versandet er wieder, wird von der Konkurrenz vergiftet oder es gibt einen Krieg um den Brunnen. Das legitime Bedürfnis der Menschen nach einem Obdach muss gekoppelt werden mit einer wirkungsvollen Strategie, wie ein Land langfristig erhalten werden kann.

Europäische Länder sollten sich dafür jeweils ein „afrikanisches Patenkind“ suchen – also ein Land, auf das sie ihre gesamte Entwicklungshilfe konzentrieren, Natürlich dürfen sie dabei nicht als neue Kolonialmacht auftreten, sondern müsste es vielmehr wie ein zusätzliches Bundesland sehen. Es geht um eine Hilfestellung, bei der man nicht nur Geld, sondern auch gute Leute zu Verfügung stellt, die wiederum selbst Menschen vor Ort ausbilden können. Ich wäre auch dafür, dass es zwei soziale Pflichtjahre gibt: eines bevor man zu arbeiten beginnt, das zweite – und viel wichtigere – wenn man aus dem Beruf ausscheidet.

Wenn man dann schon ein Verhältnis zu „seinem“ afrikanischen Land hat, wird man auch gerne wieder dorthin zurückkehren und mit seinem Know how und seiner Berufserfahrung helfen. Dann haben wir den Spagat zwischen dem Menschenrechtsidealismus der Linken und dem Heimatschutz der Rechten auf eine Art und Weise gemacht, wie er auch humanitär ist. Es darf nicht die EU machen, weil in diesem Fall die Österreicher dagegen sein werden, weil sie sich nicht von Brüssel vorschreiben lassen wollen, dass sie sich in Afrika um ein Land zu kümmern haben. Vielmehr muss es eine Idee der Regierung sein. Die jetzige Regierung wäre dafür sehr geeignet, weil die Idee nicht von links kommen darf.

Die erste industrielle Revolution hat auch zur Folge gehabt, dass in Europa die Nationalismen ausgebrochen sind – als Folge einer wahnsinnigen Überforderung der Menschen durch die radikale Modernisierung. geschrieben hat, der nach der Revolution 1848 in Frankreich an die Macht kam, dann könnte man glauben, er charakterisiert Donald Trump: Das totale Lächerlichmachen der Politik, jeden Tag Schlagzeilen produzieren, immer irgendetwas Unberechenbares tun, getrieben von nichts anderem als Eitelkeit und persönlichen Geschäftsinteressen, sorgt er dafür, dass er den gesamten Politikbetrieb so blamiert, dass die Würde der Politik verloren geht.

Wenn ich mir diese Parallelen ansehe, hoffe ich, das der heutige Umbruch nicht ein Kapitel von 70, 80 oder hundert Jahren wird, bis sich eine gute Gesellschaft durchsetzt, sondern dass wir das in zwanzig Jahren hinkriegen. Dass man Zukunft auch gestalten kann, ist in Europa als Perspektive in den 1970er Jahren verloren gegangen. Zu diesen Verschlechterungen der Agrarbedingungen kommt in diesen Regionen gleichzeitig eine schnell wachsende Bevölkerung. Da können sie eine Mauer noch so hoch bauen, können noch so viele herunterschießen – sie werden das nicht aufhalten können.

Also ist das, was wir jetzt miterleben und was schon als „Migrationskrise“ etikettiert wird, nur eine Ouvertüre für das, was noch kommt? Ja, weil die aktuellen Migrationsströme ursprünglich durch einen Krieg ausgelöst wurden und nicht primär durch den Klimawandel. Wäre ein globaler Krieg eine mögliche Folge? Wir haben keinen Anspruch darauf, dass es in Europa so ruhig weitergeht, wie es in den letzten Jahrzehnten gewesen ist. Deswegen finde ich es auch nicht erstaunlich, dass nach so langer Zeit der Ruhe jetzt eine Zeit des Umbruchs anbricht. Aber natürlich habe ich ein vitales Interesse daran, dass es zu keinen Kriegen oder Bürgerkriegen kommt.

Wenn man es positiv ausdrückt, ist Trump das letzte Signal für diejenigen, die den Schuss noch nicht gehört haben, dass wir eine eigene europäische Außenpolitik brauchen und sie nicht weiter am Fahrwasser der USA ausrichten können. Aber vielleicht kann Donald Trump aus Versehen auch noch positiv wirken, indem er die Europäer außenpolitisch wieder näher zusammenrücken lässt. Wenn die europäische Politik diesbezüglich schon nicht die richtigen Antworten liefert: Stellt sie sich zumindest die richtigen Fragen? Die Vorstellung einer europäischen Außenpolitik hat es in Deutschland zuletzt unter Gerhard Schröder gegeben.

Sein Motiv war, dass Europa gegenüber Russland andere Interessen hat als die USA. Sie brauchen Russland nicht als Freund, aber als Feindbild. Das bedeutet ja nicht, dass man Putin nicht kritisieren darf beziehungsweise ihn nicht kritisieren muss. Aber an einer Dämonisierung Russlands können wir nicht das geringste Interesse haben. Diese Rolle muss der Staat übernehmen und nicht der Konsument. Also dann, wenn ich jenen Leuten, die sagen, dass alles disruptiv und ganz furchtbar wird und wir in Überwachungsstaaten und der Volksverblödung landen, eine Alternative aufzeigen können. Das ist das erste, was man machen muss: eine alternative Zukunft entwerfen.

In China wird bei der Überwachung der Bevölkerung eine Art Bonus-Malus-System etabliert. Ja, aber eben nicht so öffentlich und offiziell, sondern quasi hinter den Kulissen, indem man alle Verhaltensauffälligkeiten, alle Abnormitäten etc. Jetzt macht er das vielleicht bei Arabern, warum sollte er das nicht grundsätzlich mit seiner Bevölkerung machen, um auf der sicheren Seite zu sein? In Deutschland wird der Geheimdienst ja nicht ernst zu nehmend kontrolliert. Es gibt einen Ausschuss im Bundestag, der aber keine Ahnung hat. Migranten sind eine Folge dieser Globalisierung. Man kann nicht eine Globalisierung de luxe bekommen, ohne sich die Schattenseiten davon einzuhandeln.

Warum soll ich also davon ausgehen, dass Profiling nicht irgendwann eingesetzt wird. Sie stellen in Ihrem Buch eine vordergründig banal-einfache These auf: Sie sagen nämlich, wir haben es selbst in der Hand, etwas zu verändern – auch in der Digitalisierung. In der Wirtschaft ist nur noch die Rede davon, dass man Getriebener ist, dass alles schnell gehen muss, dass wir alle mitmachen müssen, dass wir uns anpassen müssen – nie aber davon, dass man gestaltet und gestalten kann.

Wir leben in einer Welt, in der nur noch das Gefühl vorherrscht, dass irgendwer den Takt vorgibt und wir immer entsprechend funktionieren müssen, statt einmal zu sagen: ,Nein, ich muss nicht funktionieren, sondern aus den Gegebenheiten etwas sinnvolles für mich machen.’ Das ist eine Perspektive, die offensichtlich verloren gegangen ist. Dass man Zukunft auch gestalten kann, ist in Europa als Perspektive in den 1970er Jahren verloren gegangen. Da war es das letzte Mal, dass man wirklich das Gefühl hatte, die Politik führe uns in eine bessere Zeit.

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